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Risikoumfeld

Jeglicher Erfolg beim Aufbau und dem Betrieb eines Risikomanagements hängt ab von dem gelebten Risikobewusstsein der Verwaltung. Es ist originäre Aufgabe der Verwaltungsspitze eine angemessene Risikokultur zu entwickeln und zu fördern.

Hierzu gehört die Bereitschaft, Risiken bewusst wahrzunehmen und konsequent in Entscheidungen zu berücksichtigen. Teil der Risikokultur ist aber auch der sogenannte Risikoappetit. Darunter versteht man das bewusste Eingehen von Risiken zum Wohle der Gemeinschaft. Es geht also nicht darum, Risiken zu vermeiden, sondern darum, ein optimiertes Risikoniveau zu erreichen. Jedes strategische Ziel der Verwaltung und jegliches Verwaltungshandeln ist mit Risiken behaftet, die einzugehen sind, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Entscheidend ist, dass die eingegangenen Risiken nicht die persönliche Risikotragfähigkeit der Verwaltung überschreiten oder zu unverhältnismäßigen Folgen führen können. Die Festlegung des jeweiligen Risikoappetits erfolgt im Rahmen der Risikostrategie durch die Verwaltungsspitze.

Beispiel: Kommunen ist es untersagt, hochspekulative Finanzgeschäfte einzugehen. Die Risiken aus solchen Geschäften dürfen aufgrund der Verpflichtung der Behörden zum verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Geldern, nicht akzeptiert werden.
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Risikokultur ist damit die Gesamtheit aller Regelungen, Einstellungen und Verhaltensweisen einer Organisation in Bezug auf Risikobewusstsein und Risikobereitschaft. Sie beeinflusst die Entscheidungen des Verwaltungsmanagements und die tägliche Arbeit der Beschäftigten. Sie entscheidet über das Eingehen und den Umgang mit Risiken.

Wichtiger Bestandteil der Risikokultur ist auch eine Organisationsstruktur mit einer klaren Verortung von Verantwortlichkeiten und dem Einsatz geeigneter Instrumente und Verfahren. Ein wirksames Risikomanagement ohne ausgeprägte Risikokultur ist daher nicht möglich.

Oft fehlt in der öffentlichen Verwaltung eine entsprechende Risikokultur. Häufig hört man, dass sämtliche Risiken bekannt wären und deswegen ein Risikomanagement unnötig sei. Ebenso geläufig ist die Begründung, dass man die Risiken nicht kennen wolle, weil man sonst verantwortlich würde. Beides ist nur der Beleg für eine fehlende Bereitschaft, sich mit Risiken auseinandersetzen zu wollen. Richtig ist, dass Transparenz Nachvollziehbarkeit schafft. Es geht aber nicht um die persönliche Bereitschaft der jeweiligen Führungskraft, sich mit Risiken auseinandersetzen zu wollen, sondern um das Interesse von Bürgerschaft und Politik an einem transparenten Verwaltungshandeln. Erst dies ermöglicht ein fundiertes Abwägen von den erwarteten Vorteilen mit den dafür eingegangenen Risiken.

Die Grundsätze der Risikokultur sind schriftlich festzulegen und sollten Leitlinien zum Risikoappetit (Beispiel siehe oben), zu Rollen und Verantwortlichkeiten, zu Instrumenten und Verfahrensweisen und zu wesentlichen Schwellenwerten umfassen.